Das Roman Hackl Interview

In den letzten Monaten hat sich das Thema „gscheite Skatehalle für Wien“ ordentlich aufgeschaukelt und mittlerweile gibt es eine ~950 Mitglieder starke Facebook-Gruppe, die etwas ändern will. Unserer Meinung nach sollten die Skateboarder in und um Wien nicht nur ihre Kräfte vereinen, sondern auch koordiniert vorgehen, um auch wirklich langfristig eine Verbesserung der Lage zu ermöglichen. Genau damit haben wir euch vor einigen Wochen in einer News konfrontiert und die Option gegeben, dem Roman über unsere Plattform Fragen zukommen zu lassen. Wir haben sie etwas verpackt und hier ist es nun: das große „Roman Hackl“-Interview.

sk8.at: Hallo Roman, danke, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Du bemerkst sicherlich, dass in letzter Zeit in der Skateszene eine gewisse Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation herrscht. Grund dafür ist, dass die Wiener Skateszene immer größer und die Skatearea damit immer voller wird. Was denkst du, wie derzeit die Chancen für eine Verbesserung der Lage stehen?

Roman: Klar ist, dass auch wir alles daran setzen, langfristig eine große und zufriedenstellende Halle auf die Beine zu stellen. Es hat sich in Wels und Innsbruck gezeigt, dass es auf jeden Fall sinnvoll ist, Initiative zu ergreifen. Was man hier aber nicht vergessen darf: Die Szenen der beiden Städte sind wesentlich kleiner. Und noch viel wichtiger: Sie halten und arbeiten sehr gut zusammen. Es entstand auch teilweise der Eindruck, dass z.B. die Innsbrucker eine Gruppe gegründet haben und sich kurze Zeit später über eine Halle freuen durften. In Wahrheit ist die WUB Halle, die erste Halle in Innsbruck überhaupt und die Szene kämpft seit vielen Jahren dafür und unter anderem durch die Austragung der olympischen Jugendspiele in diesem Winter konnte auch in Zeiten der Finanzkrise ein relativ großes Budget aufgestellt werden.

sk8.at: Gleich die nächste heikle Frage: Skatearea 23 vergrößern oder eine andere, größere Halle initiieren?

Roman: Wie bereits erwähnt, ist das Platzproblem weder uns noch der Stadt Wien unbekannt. Viele wissen nicht, dass die Skatearea23 ursprünglich nur als  Winterquartier für eine Saison gedacht war. Langfristig ist die jetzige Halle sicherlich nicht die endgültige Lösung, doch bis dahin sind wir stets darum bemüht die Halle aufzuwerten und durch Umbauten interessant zu halten.

sk8.at: Es ist klar, dass solche Aktionen nicht leicht durchzuführen sind. Wie siehst du generell die Beziehung zwischen den Politikern der Stadt Wien und den Skateboardern? Haben wir es bereits zu einem respektierten „Sport“ geschafft oder nimmt man uns noch immer nicht ernst?

Roman: Erst vor kurzem war zu lesen, die Stadt Wien würde nichts für Skater tun. Das ist schlicht und einfach falsch. Mit Projekten wie z.B. dem Donaupark, Hütteldorf und dem geplanten Spot am Gürtel wurde nicht nur ein offenes Ohr für die Wünsche, sondern auch Kooperationsbereitschaft mit verschiedensten Gruppen unserer Szene bewiesen – meistens liegt es an den Skateboardern daraus auch etwas zu machen.

sk8.at: Die angesprochene Facebook-Gruppe fungiert als Sammelstelle für motivierte und engagierte Skateboarder. Um zusätzliche Akzente zu setzen, stellen die Gründer derzeit einen Verein auf die Beine. Denkst du, dass dadurch die Präsenz der Skater in Wien unterstrichen wird?

Roman: Präsenz zu zeigen und sich zu organisieren ist sicherlich nichts Schlechtes. Wichtig ist es aber wirklich zusammen zu arbeiten und natürlich auch Nachhaltigkeit zu beweisen, denn eine Gruppe gründen bzw. einer beitreten geht schnell, aber damit ist die Sache nicht getan. Der größte Vorteil der Social Networks ist auch gleichzeitig ihr größter Nachteil, denn jeder kann unzensiert seine Meinung preisgeben. Gerade dadurch passiert es leider zu häufig, dass Unwahrheiten teils unbeabsichtigt, manchmal aber auch absichtlich kommuniziert werden und somit ganz schnell komplett falsche Gerüchte entstehen, welche für eine positive Zusammenarbeit sicherlich nicht förderlich sind. Mehrere Vereine könnten in Konkurrenz zu einander stehen, und dadurch die Kooperation mit Entscheidungsträgern erschweren. Muss und sollte nicht sein, passiert allerdings häufig in diversen Sportvereinen.

sk8.at: Die Skatearea 23 befindet sich ja stets im Wandel, derzeit ist aber nur ein kleiner Teil reine Streetfläche mit Curbs und dergleichen. Wie stehen die Chancen, dass diese Flächen künftig wieder größer ausfallen? Könnten vielleicht im Falle eines weiteren geplanten Umbaus auch Ideen der Wiener Skateszene einfließen?

Roman: Wichtig ist klarzustellen, dass es im Vergleich zu anderen Hallen wie z.B. Linz in der Skatearea23 im Verhältnis einen großen offenen Bereich mit Curbs und generell mit freier Fläche gibt. Wir waren und sind immer darum bemüht, die Wünsche der Szene in die Gestaltung der Halle mit einfließen zu lassen, doch der optimale Park sieht für jeden individuell anders aus! Wichtig ist einen guten Kompromiss zu finden, der möglichst
vielseitig ist und sowohl für Anfänger als auch für Profis einen guten Allroundpark darstellt.

sk8.at: Hast du vor längere Öffnungszeiten einzuplanen?

Roman: Eine Erweiterung der Öffnungszeiten ist spätestens für die Wintersaison 2012/13 geplant!

Zusätzlich wird es schon diese Saison einige Sessions geben, bei denen nicht nur das Skaten im Vordergrund stehen soll, sondern es auch Zeit für Kommunikation über Wünsche, Anregungen und geplante Projekte geben soll. Außerdem sind natürlich auch alle Kritiker und generell alle diejenigen eingeladen, die sich für die Sache interessieren und etwas zum Positiven verändern wollen! Erster Termin dafür:

> Mittwoch, 29.02.2012 ab 17:00 Uhr (bis ca. 21:00 Uhr)! <

sk8.at: Das Thema „Scooter“ ist ja seit Jahren sehr heikel. Du wirst es täglich mitbekommen, was sich da tut. Was ist deine Meinung zu den trendigen Rollern?

Roman: Die meisten Scooterfahrer sind Kinder, das darf nie vergessen werden. Das “Problem” dabei ist, dass die Kinder beim Scooterfahren sofort fast alle Rampen fahren können. Somit beschränken sich auch unerfahrene, die Regeln des guten Zusammenfahrens noch nicht kennende Kinder, nicht auf einige einfachere Obstacles (so wie das bei den Skatern der Fall ist). Auch wenn es manchmal möglicherweise schwer ist, das Beste ist  sicherlich zu versuchen, die entsprechenden Personen ruhig und respektvoll auf ihre Fehler hinzuweisen – es sind ja wie gesagt Kinder. Zusätzlich gilt bis zum Ende der Wintersaison an allen Sonntagen in der Skatearea23 “Skateboarding only”. ABER: Sinn der Sache ist sicherlich NICHT bestimmte Gruppen auszuschließen, sondern vielmehr den Skateboardern einen Tag zu widmen, an dem die Skatearea ganz ihnen gehört!

Noch dazu kann niemand sagen wie lange dieser Trend andauert. Und wer kann heute sagen, ob nicht ab morgen schon der nächste Trend übers Netz kommt?

sk8.at: Wie stehst du zur Idee „altersbezogene“ Öffnungszeiten, wie zum Beispiel von 10-15 Uhr nur bis 16 Jahre und von 15-20 Uhr die Älteren?

Roman: Bei solchen Regelungen gilt es immer die wahren Vorteile und Nachteile abzuwägen. Ist das Alter wirklich immer ausschlaggebend für das Können (und in weiterer Folge für das „im Weg stehen“)? Spricht der erhebliche Aufwand der Durchführung dafür? Solche und andere Vorschläge können gerne an den oben erwähnten Terminen diskutiert werden. Wir würden uns freuen viele Skateboarder am 29.2.2012 ab 17.00 Uhr bei
uns begrüßen zu dürfen!

sk8.at: Ihr habt es gehört, jeder von euch kann mithelfen! Roman, danke für deine Zeit und deine aufschlussreichen Antworten!

Auch lässig:

Leave a Reply